Die folgende Kurzgeschichte entstand als Aufgabe von Instagram.

Thema war: Schreibe eine Kurzgeschichte in Anlehnung an dein Lieblingsfilmdrama. Die einzigen Filmdramen, die mir eingefallen waren, sind Pearl Harbor oder Der Soldat James Ryan. Das ganze hat sich auf dem Weg dann etwas verselbstständigt und zu dem geworden, was ihr hier lesen könnt.

 

Briefe an Mutter

 

Sechzehnter August 1914
Liebste Mutter.
Ich schreibe dir, da ich weiß, dass du dir Sorgen um mich machst. Es tut mir leid, dass ich dir nichts gesagt habe, doch du hättest nur versucht mich aufzuhalten. Ich weiß, dass du diesen Krieg als sinnlos erachtest, doch meine Freunde und ich haben schon immer gesagt, dass er mehr als überfällig ist. Als ich mein Abschlusszeugnis erhalten hatte, bin ich sofort mit den anderen aus meiner Klasse zur Musterung gegangen. Meine guten Noten und meine körperliche Verfassung haben mir einen Platz in der Luftwaffe verschaffen können. Ich weiß, dass du dir gewünscht hättest, ich hätte lieber einen Beruf wie Vater gelernt, doch ich finde, dass ich für Deutschland kämpfen muss. Ich bin jetzt auf den Weg in unser Ausbildungslager nach Köln. Ich hoffe dir geht es gut und du machst dir nicht zu viele Gedanken. Ich werde dir wieder schreiben, sobald ich kann.
 
In Liebe
 
Heinrich
 
 
Dreißigster Mai 1915
Liebste Mutter
Es tut mir leid, dass ich dir so lang nichts geschrieben habe, aber ich war mit der Ausbildung beschäftigt. Die Ausbilder sind von meinen Fortschritten begeistert und sie sagen, wenn ich so weitermache, dann kann ich schon bald die ersten Einsätze fliegen und für den Ruhm unserer Nation und unseres Kaisers kämpfen. Heute kam allerdings so ein Adliger bei uns an. Ein absoluter Schnösel. Hält sich für was besseres, nur weil er einen Adelstitel trägt. Sein Name lautet Manfred Freiherr von Richthofen. Er hat die Grundausbildung direkt übersprungen, da er bereits an einigen Kampfeinsätzen am Boden teilgenommen hat. Jetzt muss ich mich mit ihm herumschlagen, da er in meine Gruppe versetzt worden ist. Ich werde versuchen mich das nächste mal früher zu melden. Ich hoffe es geht dir gut und du vermisst mich nicht zu sehr. Grüß meine Schwester Adelheid von mir.
 
In Liebe
 
Heinrich
 
 
Zweiter Juli 1915
 
Liebste Mutter
 
Ich bin in Lemberg an der Ostfront stationiert. Wir bekämpfen hier die Russen und sorgen dafür, dass sie nicht unsere Heimat einfallen können. Ich bin hauptsächlich für Aufklärungsflüge zuständig und habe, wenn überhaupt, nur minimalen Feindkontakt. Dennoch habe ich bereits ein oder zwei Schützengräben angreifen müssen. Alles in allem ist es hier trotz des Krieges recht angenehm und entspannt. Das einzige, das mich nervt ist dieser Manfred von Richthofen. Dieser Kerl scheint mich zu verfolgen. Man hat uns beide hierher versetzt und zuerst dachte ich, dass ich ihm aus dem Weg gehen könnte, doch man hat uns letztendlich mehrere Einsätze zusammen fliegen lassen. Er weiß immer alles besser und das lässt er mich auch spüren. Ich mag ihn nicht.
 
In Liebe
 
Heinrich
 
Siebzehnter August 1915
 
Liebste Mutter
 
Ich bin nicht länger an der Ostfront stationiert. Wir wurden an die Westfront verlegt und einer neuen Abteilung zugewiesen. Ich weiß nicht, wie viel ich dir schreiben darf, da unsere Briefe gelesen werden, bevor wir sie verschicken dürfen. Manfred ist ebenfalls hier. Er ist gar nicht so ein schlechter Typ, wie ich anfangs dachte. Ich freue mich über deine Nachricht, dass Adelheid einen Heiratsantrag von ihrem Wolfgang bekommen hat. Bitte schreib mir, sobald ein Termin für die Hochzeit feststeht, dann frage ich meinen Kommandanten nach Heimaturlaub.
In Liebe
Heinrich
 
Zwölfter September 1915
 
Liebste Mutter
 
Manfred hat unsere Versetzung nach Metz beantragt. Wir sind durch unsere gemeinsamen Einsätze mittlerweile gute Freunde geworden. Wir saßen zusammen im Zug und trafen dort auf Oswald Boelcke. Ich weiß der Name sagt dir nichts, doch unter uns Piloten ist der Mann eine lebende Legende. Aber das ist nicht alles! Manfred hat es geschafft Boelcke zu überzeugen, dass er uns in sein Jagdgeschwader aufnimmt, sobald wir die Jagdfliegerausbildung in Metz beendet haben. Dein Sohn fliegt bald an der Seite von Adligen und Legenden, kannst du dir das vorstellen? Was die Sache mit Wolfgang betrifft, musst du dir keine Sorgen machen. An der Westfront gibt es aktuell nichts Neues. Ich bin sicher, er wird in ein paar Monaten wieder an Adelheids Seite sein. So oder so bin ich stolz darauf bald einen Schwager zu haben, der für den Ruhm
unseres Vaterlandes in den Krieg zieht.
 
In Liebe
 
Heinrich
 
Erster März 1916
 
Liebste Mutter
 
Manfred und ich sind tatsächlich Teil des Jagdgeschwaders von Oswald Boelcke geworden. Er war von unseren Fähigkeiten begeistert und wir sind Teil eines Elitegeschwaders. Diese Jungs, mit denen ich hier Fliege sind die Besten der Besten und Boelcke selbst wird seinem Namen mehr als gerecht. Wir sind seit heute an der Westfront stationiert, nahe Verdun. Hier unterstehen wir aktuell noch dem 2. Kampfgeschwader der 8. Kampfstaffel, doch ab September werden wir offiziell in die nähe von Cambrai versetzt, wo Boelcke und die anderen auf uns warten. Ich habe kurz nach meiner Ankunft Wolfgang getroffen. Er ist ebenfalls hier in Verdun stationiert. Er ist bei der Artillerie. Diese Jungs laufen ständig Gefahr, von der feindlichen Luftwaffe ins Visier genommen zu werden, doch wir beschützen sie. Ich werde alles dafür tun, dass er zu Adelheid zurückkommt.
 
In Liebe
 
Heinrich
 
Achtzehnter September 1916
 
Liebste Mutter
 
Wir sind nun endlich bei Cambrai unter dem Kommando von Oswald Boelcke. Gestern hatten wir ein Gefecht mit einigen feindlichen Fliegern. Du brauchst dir jedoch keine Sorgen machen. Der Ehrenbecher, den ich dir ebenfalls zugeschickt habe, ist der Beweis, dass ich meinen ersten Abschuss im Kampfeinsatz erzielt habe. Jeder von uns hat einen von Boelcke geschenkt bekommen, als Erinnerung an unsere Feuertaufe. Manfred hat ebenfalls einen bekommen, aber er ärgert sich, weil ich zwei Flugzeuge abgeschossen habe und er nur eines. Er hat mir gesagt, dass er sich von nun an jedesmal selbst einen Becher kaufen wird, für jeden Abschuss, den er erzielt. So verrückt und stinkreich, wie er ist, glaube ich ihm das sogar. Auch, wenn ich mich gefreut habe, besser als er zu sein, so freue ich mich doch auch für ihn. Er ist einer meiner besten Freunde geworden und hier auf dem Schlachtfeld sind wir nicht der Adlige und der Bauernjunge, sondern wir sind alle Brüder im Kampf. Ich habe übrigens Nachricht von Wolfgang erhalten. Es geht ihm gut und er wird in den nächsten Tagen nach Hause kommen. Erzähl aber bitte Adelheid nichts davon, denn es soll eine Überraschung werden.
 
In Liebe
 
Heinrich
 
Zehnter Januar 1917
 
Liebste Mutter
 
Es ist viel Geschehen, seit meinem letzten Brief. Boelcke ist tot, genauso, wie einige Kameraden, die mit uns flogen. Boelcke ist im Einsatz mit einem unserer eigenen Flugzeuge zusammengestoßen. Die Kämpfe werden in letzter Zeit immer chaotischer, aber wir halten uns tapfer. Manfred und ich hatten Ende November einen Einsatz, bei dem wir auf eine Fliegerstaffel des Feindes trafen. Sie waren uns zahlenmäßig überlegen, doch wir schafften es, die meisten von ihnen abzuschießen. Nachdem uns der Wind auf deutsches Gebiet getrieben hatte, brachen die Briten den Kampf ab und wollten zurück zu ihrer Basis fliegen, doch Manfred und ich verfolgten sie und schafften es ihren Anführer, einen gewissen Hawker abzuschießen. Das war der Beginn, von Manfreds Legende. Bestimmt hast du mittlerweile etwas vom sogenannten Roten Baron gehört. Ich kann dir versichern, dass alles was du gehört hast, nicht im entferntesten an die Wahrheit heranreicht. Manfred ist mittlerweile einer der besten Piloten, den das Deutsche Reich je hatte. Es ist eine wahnsinnige Ehre, unter seinem Kommando ein Teil seiner Jagdstaffel 11 zu sein. Die Briten nennen uns mittlerweile nur noch den Fliegenden Zirkus.
 
In Liebe
 
Heinrich 
 
Dreizehnter März 1917
 
Liebste Mutter
 
Die Briten haben ein Kopfgeld auf den Roten Baron ausgesetzt! Sie haben angeblich sogar eine eigens auf Manfred abgerichtete Jagdstaffel ins Leben gerufen, nur um ihn zu töten. Sein rotes Flugzeug gab ihm seinen Spitznamen, aber das macht ihn im Kampf auch zu einem eindeutigen Ziel. Wir anderen haben entschieden, dass, sollte dieses Gerücht der Wahrheit entsprechen, wir ihn schützen müssen. Wir haben aus diesem Grund unsere Flugzeuge ebenfalls rot angemalt. Du müsstest mich sehen. Dein Sohn fliegt an der Seite des besten Piloten der Welt und seiner Kameraden. Ich habe dir ein Foto mitgeschickt. Der Mann im Flugzeug ist Manfred. Ich habe übrigens gute Nachrichten. Ich habe mich über die Hochzeitseinladung gefreut und ich habe Manfred gefragt, ob ich Heimaturlaub bekommen könnte. Er hat zugestimmt und nach unserem nächsten Einsatz in ein paar Tagen, werde ich mich umgehend in den Zug setzen und zu Adelheids und Wolfgangs Hochzeit nach Hause kommen. Ich freue mich darauf, dich wiederzusehen.
 
In Liebe
 
Heinrich
 
Siebenundzwanzigster März 1917
 
Verehrteste Frau Müller
 
Ich schreibe Ihnen, aus einem Grund, der mein Herz mit tiefer Trauer erfüllt. Ihr Sohn und mein bester Freund Heinrich ist am gestrigen Tag, den sechsundzwanzigsten März 1917, während eines Kampfeinsatzes gefallen. Er gab sein Leben, um meines zu retten. Ich stehe in einer Schuld, die ich nie begleichen kann und ich möchte Ihnen danken, dass sie einen Sohn erzogen haben, der mehr Mut und Tapferkeit besaß, als viele andere Männer, die ich in diesem Krieg getroffen habe. Ihr Verlust schmerzt mich und es gibt nichts, dass diesen Schmerz lindern könnte, dessen bin ich mir bewusst. Dennoch möchte ich Ihnen mitteilen, dass auf mein Bitten hin, Ihrem Sohn posthum die höchste Ehrung, das Eiserne Kreuz, verliehen wird. Sie werden den Orden in ein paar Tagen erhalten und ich hoffe, dass er Ihnen helfen wird Ihren Sohn in der selben Erinnerung zu behalten, wie ich.
 
Hochachtungsvoll
 
Manfred Freiherr von Richthofen